Reverse Engineering
Wenn das Teil da ist, aber die Zeichnung fehlt.
Ein Halter ist gebrochen, das Ersatzteil gibt es nicht mehr, und eine CAD-Datei hat es nie gegeben. Dann ist das Bauteil selbst die Vorlage: Ich scanne es ein und leite daraus ein Modell ab, das sich fertigen lässt.
Wofür sich das lohnt
In diesen drei Fällen macht ein Scan den Unterschied.
Ersatzteil ohne Vorlage
Die Maschine läuft, ein Kunststoffteil ist gebrochen, und der Hersteller liefert nicht mehr. Das Bruchstück genügt als Vorlage, solange die Form noch erkennbar ist.
Anpassung an Bestehendes
Ein neues Teil muss auf eine vorhandene Kontur passen, etwa eine Konsole an ein Gehäuse oder eine Aufnahme an eine Welle. Der Scan liefert die Gegenform, statt sie zu messen und zu raten.
Kleinserie nach Muster
Von einem Einzelstück sollen zwanzig entstehen, alle gleich. Aus dem Scan wird ein Modell, und ab dann ist jedes Teil so wie das nächste.
Womit ich messe
Drei Geräte, weil sie verschiedene Grössen und Arbeitsweisen abdecken. Die Kennwerte sind die Angaben der Hersteller.
3DMakerPro
Toucan
Mein Gerät für unterwegs. Es arbeitet ohne angeschlossenen Rechner, und der Grössenbereich reicht vom Kleinteil bis zum Möbelstück. Als einziges nimmt es die Farbe der Oberfläche mit auf.
- Genauigkeit
- 0.03 mm (nah)
- Auflösung
- 0.05 mm (nah)
- Objektgrösse
- 10 – 4’000 mm
- Arbeitsabstand
- 200 – 1’000 mm
- Bildrate
- 15 fps
- Lichtquelle
- blaues Streifenlicht
- Farbtextur
- ja
3DMakerPro
Moose Lite
Für kleinere Teile am Arbeitsplatz. Es hängt am Rechner und ist dort schnell eingerichtet, wenn ein Bauteil bereits bei mir liegt.
- Genauigkeit
- 0.05 mm
- Auflösung
- 0.10 mm
- Objektgrösse
- 15 – 1’500 mm
- Arbeitsabstand
- 150 – 400 mm
- Bildrate
- 10 fps
- Lichtquelle
- Infrarot
- Farbtextur
- nein
Creality
CR-Scan Lizard
Mit ihm hat das Scannen hier angefangen. Er kann noch, was er immer konnte; für neue Aufträge greife ich inzwischen zu den beiden anderen.
- Genauigkeit
- 0.05 mm
- Auflösung
- 0.10 mm (bis 0.2)
- Objektgrösse
- 15 – 2’000 mm
- Arbeitsabstand
- 150 – 400 mm
- Bildrate
- 10 fps
- Lichtquelle
- Infrarot
- Farbtextur
- nein
Die beste Scangenauigkeit liegt bei 0.03 mm und damit unter der Masstoleranz der Fertigung von 0.2 mm auf 100 mm Kantenlänge. Die Vorlage ist damit in der Regel nicht der begrenzende Faktor, sondern der Druck.
Was sich scannen lässt, und was nicht
Ein Scanner arbeitet mit Licht, und manche Oberflächen geben ihm wenig zurück. Damit Sie es vorher wissen und nicht erst mit der Rechnung, steht beides hier nebeneinander.
Dafür geeignet
- Matte, helle Oberflächen aus Kunststoff, Holz oder lackiertem Metall
- Bauteile von wenigen Zentimetern bis etwa Schuhkartongrösse
- Formen mit erkennbarer Geometrie, auch wenn sie beschädigt sind
Schwierig bis unmöglich
- Spiegelnde und blanke Flächen. Sie lassen sich mattieren, das kostet aber einen Arbeitsschritt
- Durchsichtiges Material wie Glas oder klarer Kunststoff
- Tiefe, enge Hinterschnitte, in die kein Licht fällt
- Feine Gewinde und Passungen. Hier ist ein Messschieber meist die genauere Wahl
Wie es abläuft
- 1
Sie schicken mir ein Foto
Bevor irgendetwas kostet, sehe ich mir an, ob sich das Teil überhaupt sinnvoll scannen lässt. Manchmal ist die Antwort nein, und dann sage ich das.
- 2
Das Original kommt zu mir
Per Post oder vorbeigebracht; die Werkstatt liegt in Root LU, gleich bei Luzern. Beim Scannen passiert dem Teil nichts; es geht zurück, wie es gekommen ist.
- 3
Scan und Nacharbeit
Aus der Punktwolke wird eine saubere Fläche. Eine gebrochene Kante wird dabei ergänzt. Das ist Handarbeit und der eigentliche Teil der Aufgabe.
- 4
Modell und Fertigung
Sie bekommen das Bauteil gedruckt, und auf Wunsch die Datei dazu. Dann können Sie beim nächsten Mal direkt nachbestellen.
Ein Foto genügt für den Anfang.
Schicken Sie mir ein Bild des Teils und wozu es gehört. Ich sage Ihnen, ob ein Scan der richtige Weg ist, und wenn nicht, welcher es wäre.