Direkt zum Inhalt
Zurück zur Übersicht

Ersatzteile & Reparaturen

Kann man Ersatzteile 3D-drucken?

ca. 3 Min.

Ein orange gedrucktes Zahnrad läuft in einem geöffneten Getriebe, davor liegt das gebrochene Original aus Metall

Meistens ja. Gut geeignet sind Kunststoffteile ohne hohe Dauerlast: Gehäuseclips, Blenden, Knöpfe, Zahnräder in Haushaltsgeräten, Halterungen, Abdeckungen. Schlecht geeignet ist alles, was dauerhaft heiss wird, unter Druck steht oder eine Sicherheitsfunktion trägt. Das Originalteil muss nicht mehr existieren, ein Foto mit Massstab genügt oft als Ausgangspunkt.

Was für den Druck spricht

Die Ersatzteilversorgung endet bei vielen Geräten nach wenigen Jahren. Danach steht man vor der Wahl zwischen einem Neugerät und einem Gerät, dem ein Bauteil für zwei Franken Materialwert fehlt. Genau dort ist der Druck stark: Er kennt keine Mindestbestellmenge und kein Auslaufdatum.

Wofür sich der Nachbau lohnt

Teil nicht mehr lieferbar
klarer Fall
Lieferzeit mehrere Wochen
meist lohnend
Mindestbestellmenge zu hoch
lohnend
Teil bricht immer wiederverstärkte Neuauslegung möglich
lohnend
Teil sofort und günstig lieferbar
kaufen

Wie ein Nachbau abläuft

Vom defekten Teil zum Ersatz

  1. Bestandsaufnahme

    Das Originalteil, seine Bruchstücke oder ein bemasstes Foto. Je vollständiger, desto weniger muss geraten werden.

  2. Vermessen

    Massschieber für Aussenmasse und Bohrungen, bei komplexen Geometrien der 3D-Scanner. Passmasse werden mehrfach geprüft.

  3. Konstruieren

    Nachbildung im CAD, nicht als Kopie der Oberfläche, sondern als sauberes Volumenmodell. Nur so lässt es sich später anpassen.

  4. Verbessern, wo es sinnvoll ist

    Wenn das Original an einer bekannten Stelle bricht, wird genau dort Material ergänzt oder die Faserrichtung angepasst.

  5. Drucken und passen

    Erst ein Passteil, dann die endgültige Fertigung. Bei Passungen ist der erste Druck fast immer ein Prüfteil.

Der grosse Nebeneffekt: Nach dem ersten Nachbau existiert eine Datei. Bricht das Teil in drei Jahren erneut, ist der Ersatz eine Frage von Stunden statt von Wochen.

Wo die Grenzen liegen

Nicht jedes Teil gehört gedruckt. Die Grenze verläuft dort, wo die Belastung dauerhaft oder das Versagen gefährlich ist.

Dauerhaft heiss. Alles in der Nähe von Motoren, Heizungen oder im Motorraum. Selbst technische Werkstoffe haben hier eine klare Obergrenze.

Unter Druck oder in Sicherheitsfunktion. Bremsen, Lenkung, tragende Verbindungen, Druckbehälter, Gasführung. Hier ist der Druck das falsche Verfahren, und keine Werkstoffwahl ändert daran etwas.

Dichtungen und Elastomere. Flexible Werkstoffe lassen sich drucken, aber eine gedruckte Dichtung ist nie so dicht wie eine gespritzte.

Rechtlich beachten

Ein Ersatzteil für den Eigengebrauch nachzubauen, ist in aller Regel unproblematisch. Sobald ein Teil aber ein geschütztes Design, eine Marke oder ein Patent berührt, gilt das nicht mehr, und für den Verkauf schon gar nicht. Aufgedruckte Logos und markante Formmerkmale sind die häufigsten Stolpersteine. Im Zweifel sollte das juristisch geklärt werden; als Werkstatt kann ich es nicht verbindlich beurteilen.

Was Sie mitschicken sollten

Am besten das defekte Teil selbst, auch in Einzelteilen. Sonst ein Foto von mehreren Seiten, mit einem Massstab oder einer Münze daneben, dazu die wichtigsten Masse. Hilfreich sind ausserdem Gerätetyp und Baujahr sowie die Angabe, wo das Teil sitzt und was darauf wirkt.

Ob sich Ihr Fall lohnt, sage ich Ihnen vor dem Angebot, auch dann, wenn ein Kauf günstiger ist. Beschreiben Sie ihn kurz über das Anfrageformular.

Patrick Stratil, Gründer von Printerking

Geschrieben von Patrick Stratil

Ich fertige die Teile, über die ich hier schreibe, in meiner Werkstatt in Root LU.

Ihr Bauteil, konkret besprochen.

Eine Datei, eine Skizze oder ein Foto des defekten Teils genügt. Sie erhalten ein Angebot oder eine gezielte Rückfrage.

Angebot anfordernKontakt aufnehmen